Still sein will gelernt sein!

Unsere Welt ist laut und aufdringlich. Das Leben soll man in jeder Sekunde spüren. Einfach still sein, das ist kaum möglich. Das müssen wir sogar lernen!

In unserem Alltag sind wir ständig von Geräuschen umgeben. Auf der Straße dringt der Verkehrslärm an unser Ohr, im Büro klingelt das Telefon permanent, zu Hause läuft der Fernseher 24/7 und wenn da nichts läuft, dann wird zumindest die Musik bemüht. Es schickt sich nicht in sich gekehrt zu sein. Das wirkt auf viele Menschen wahrscheinlich sogar befremdlich.

Still sein kann man im Schlaf…

…oder wenn man tot ist. Die Stille lässt uns spüren, dass das Leben zur Ruhe kommt. Leider sind wir dieses Gefühl der Ruhe heute nicht mehr gewohnt. Es überfordert uns, wenn wir mit unseren Gedanken alleine sind und die Sorgen immer größer werden.

Diese bedrückende Stille spitzt sich zu, wenn wir uns eigentlich auf das Gebet konzentrieren wollen.
Solltet Ihr noch nicht regelmäßig beten, dann versucht es mal und Ihr werdet feststellen, dass alles, wofür man den ganzen Tag Zeit hat, einem plötzlich genau dann einfällt.

Es wird ersichtlich, dass unser Gehirn und unsere Seele nach dieser Ruhe dürsten, welche wir viel zu kurz kommen lassen.
Um beten zu können, ist diese Stille im Herzen aber unerlässlich. Manchmal gelingt es mir diese Ruhe ganz zuzulassen. In diesem Moment des Gebets spüre ich den Frieden, den Gott mir schenken möchte.

Ein Vorgeschmack!

Dieser Frieden ist ein Vorgeschmack auf das, was kommen mag in der Ewigkeit. Zumindest empfinde ich es so. Es gibt kaum einen schöneren Moment, den man sich herbeisehnen möchte. Das Gespräch mit Gott kann mein Herz mit Freude und Dankbarkeit erfüllen.

Ich plädiere dafür, dass wir uns mehr Zeit für die Stille in unserem Herzen nehmen. Gott möchte uns so reich beschenken, wenn wir es nur zulassen und unsere Ohren für Ihn im Gebet öffnen können. Nur in einem stillen Herzen kann der Herr einkehren und uns auch spüren lassen, welche Gnade Er uns zuteilwerden lassen möchte.
Das will gelernt sein! Übung macht bekanntlich den Meister. Ich will mich also in der Stille meines Herzens üben, um viel öfter in den Dialog mit dem Vater zu treten.

Stille in der Urlaubszeit

Gerade jetzt in der Urlaubszeit bietet es sich an, beim Sightseeing mal in eine Kirche hineinzublicken. Meistens finden sich viele Menschen in den Kirchen des Urlaubsortes ein, gerade wenn es historisch interessante Plätze sind. Staunend blickt man dann von einem Seitenaltar zum nächsten und bewundert die Schönheit, die einem förmlich ins Auge springt.

Manch einer bleibt dann schon einmal kurz sitzen und genießt die Atmosphäre und die Ruhe, die eine Kirche ausstrahlen kann.
Noch schöner wird das Ganze, wenn man einen Zeitpunkt erwischt, an dem es etwas ruhiger ist. Wenige Menschen und eine leise Geräuschkulisse.

Und wenn es dann für einige Momente still wird, ist es als würde man Kraft tanken und einen Augenblick spürt man die Präsenz Gottes. Großartig… 🙂

Natürlich weiß ich, dass nicht jeder so empfindet. Die meisten gehen in diese alten und prachtvollen Kirchen, um alles abzufotografieren und sind schnell wieder draußen. Schade, denn hier geht dann unglaublich viel verloren.
Kirchen sind nun mal keine Museen, sondern ein Ort, an dem man sich bewusst werden kann, dass Gott hier ein Stück näher ist.

Gewiss, Er ist immer nahe. Aber der Mensch braucht Bezugsorte, an denen er besonders spürt, sieht und erlebt, wie kraftvoll zum Beispiel ein gemeinsames Gebet sein kann.
Ein Gotteshaus ist also immer auch ein Ort, an dem man nicht anders kann, als an Gott zu denken. Es ist schön sich in einem Gebet zu verlieren. Besonders auch in Stille. Und manchmal ist die Stille selbst das Gebet.

Viele von uns sind in der heutigen Zeit mit Stille vielleicht sogar überfordert. Egal wo man ist oder wie spät es ist, wirklich stille Momente gibt es für uns kaum. Entweder der Fernseher macht Geräusche, das Radio, ein YouTube Video, der MP3 Player, der Verkehr oder die Menschen um einen herum. Stille ist uns befremdlich geworden.
Wenn wir diese Stille dann doch einmal um uns haben, wird sie uns schnell unangenehm, weil sie doch so ungewohnt ist.

Versuchen wir doch ganz bewusst ein paar ruhige Minuten in unseren Tag einzubauen. Vielleicht nur fünf Minuten, an denen wir einfach mal alle Geräusche um uns herum ausschalten, so gut es geht.
Und sollten wir dann einmal zufällig in einer Kirche sein, dann eignet sich dieser Ort besonders gut, um in Stille zu verweilen. Egal, ob man Gläubig ist oder nicht, diese bewusste Auszeit tut uns allen gut. Und wir alle sollten uns diesen kleinen Luxus gönnen. Nicht nur in der Urlaubszeit. 😉