Station IX: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Der dritte Fall… Wie groß musste wohl die Versuchung gewesen sein, hier aufzugeben und nicht mehr aufzustehen. „Sollen sie mich doch hier und jetzt töten. Soll geschehen, was geschehen soll, ich kann nicht mehr weiter„.

Zu dieser Station gelangen sehr viele Menschen. Wenn sie zum hundertsten oder tausendsten Mal fallen und vor Verzweiflung sich in solche Süchte stürzen, wie Alkohol, Glücksspiel oder Pornographie. Sie sind mit eben diesem Satz konfrontiert: „Ich kann nicht mehr weiter. Ich stehe nicht mehr auf„. Wozu beichten gehen, wenn doch diese Sünde immer wieder zurückkehrt? Ich habe mich doch so bemüht… Oder, wie Petrus zu Jesus sagte: „Meister, wir haben die Zeit gearbeitet und nichts gefangen„. Im Psalm 64 heißt es „ihr Herz ist, wie ein Abgrund„. Und in diesen Abgründen des menschlichen Inneren versteckt sich das, was für den Menschen am gefährlichsten ist – der Stolz. Und somit schaffen wir es zumeist nicht noch einmal aufzustehen, wenn wir auf unserem Kreuzweg abermals zu Fall kommen.

Wir stehen dabei vor zwei möglichen Wegen: des Stolzes und der Demut. Gesegnet seien jene, die entgegen der menschlichen Hoffnung und Erwartung – spes contra spem – in solchen Situationen sagen:

[…] aber auf Dein Wort will ich noch mal die Netze auswerfen.

Noch einmal. Denn wer bis zum Ende durchhält, wird erlöst werden. Bis zum Ende…

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Station VII: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Wir Menschen mögen es nicht, wenn jemand fällt. Dies behindert den Verkehr, stört unseren Lebensrhythmus, man muss stehenbleiben und diese Person aufheben. Durch solche Leute kommt es nur zu Verspätungen und zur allgemeinen Unordnung. Wer von uns fällt denn am meisten um? Es sind kleine Kinder, ältere sowie kranke Personen. Die Welt fand für diese Fälle Lösungen: Abtreibung und Euthanasie.

Die heutige Welt hat keine Zeit zu verlieren mit Fallenden, Langsamen, Tollpatschigen oder Behinderten. Die Welt ist in ständiger Eile und hat einen sehr ausgebuchten Kalender. Sie rennt unermüdlich dem neuen Fernseher, dem neuen Smartphone, dem neuen Tablet, dem besten Schnäppchen etc. hinterher. Die Welt liebt den Fortschritt und verlangt dies auch von der Kirche.

Die Kirche soll fortschrittlich sein und der Welt in ihrem irren Tempo nachkommen. Die Kirche soll die Welt nicht blockieren und sich ihr nicht in den Weg stellen. So ist unsere Denkweise. So ist auch die Denkweise vieler sogenannter Christen. Somit wird das Christentum immer wieder über den erstarrten Leichnam des Erlösers stolpern.

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