Station I: Jesus wird zum Tode verurteilt

Station I: Jesus wird zum Tode verurteilt

Die Menschen meinen oft von sich, allwissende Ärzte zu sein. Sie kennen sich – auf deren Art und Weise – mit jeglichen Krankheiten sowie deren Heilung aus. Die Wahrheit präsentiert sich jedoch ganz anders: es sind um das Vielfache mehr Richter unter uns: jemand drängt im Straßenverkehr – ein Primitivling! Jemandem geschieht ein Missgeschick – ein Versager! Jemand hat andere Überzeugungen – ein Idiot! Dies sind keine langwierigen Prozesse. Diese Prozesse dauern gerade einmal einige Sekunden: ein Blick, eine Meinung, ein Urteil. Dabei hat Jesus stets unterstrichen: „Urteilt nicht!“ Denn nur Gott allein kennt den Menschen und sein Inneres so gut und perfekt. Jemanden zu verurteilen zeugt von überheblichem Stolz. Und dieser menschliche Stolz war so groß, dass der Mensch es gewagt hatte, über Gott zu urteilen. Pilatus wollte Jesus zwar freilassen, aber das Volk verlangte so laut und so vehement nach der Kreuzigung des Sohnes Gottes. Vielleicht meint ja jemand von uns zu sagen: „Ich bemühe mich im Prinzip Christ zu sein, aber die Gesellschaft rund um mich schreit laute Parolen über Abtreibung, Euthanasie, in vitro etc. Sie schreien darüber bei mir in der Familie, in der Arbeit, auf der Uni… Und ich schweige und wasche diskret meine Hände, wie Pilatus.

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Schwerpunkt Fastenzeit: Der Kreuzweg

Dieser Beitrag wird wohl eher sehr gläubige Christen ansprechen. Ich möchte ihn trotzdem gern allen empfehlen. Der Kreuzweg verdeutlicht, dass auch Jesus, Gott selbst, weiß, was es heißt, furchtbare Schmerzen zu ertragen.

Der Kreuzweg wird in der Fastenzeit gebetet. Er soll uns vergegenwärtigen, wie sehr Jesus leiden musste. In katholischen Kirchen finden sich an den Seitenwänden Bilder zu jeder Station. Wir möchten hier zu jeder Station einen Beitrag verfassen.

Anna hat letztes Jahr einen Kreuzweg geschrieben. Sehr persönliche Worte und Gedanken finden sich darin. Wir möchten ihn mit Euch teilen.

Jeweils am Mittwoch und Freitag in der Fastenzeit werden wir eine Station dieses Kreuzweges online stellen. Die Station wird unter anderem auch in diesem Beitrag verlinkt. Nun lasse ich die Stationen für sich selbst sprechen…

Mögen wir ihn andächtig beten.

 

Unsere Eröffnung und Einladung:

„Mein Freund, wozu bist du gekommen?“

Diese Frage richtete Jesus an Judas. Es waren Seine letzten Worte, bevor Er gefasst und verhaftet wurde. Bevor wir diesen  Kreuzweg beginnen, befassen wir uns näher mit diesen Worten. Stellen wir uns selber diese Frage – „mein Freund, wozu bist du gekommen?“. Bist du dieser Reise sicher? Willst auch du dein Kreuz auf die Schulter nehmen? Das Kreuz steht doch für Niederlage, Erniedrigung, Peinigung… Willst du diesen peinlichen Weg der Niederlage und der Erniedrigung wirklich gehen? Wir tragen alle Kreuze als Ketten, Kreuze hängen in unserem Zuhause, in den Schulen, in Spitälern… Es kommt nicht selten vor, dass wir unter diesen Kreuzen streiten, schimpfen, fluchen. Wir sind angefressen, weil uns wiedermal etwas nicht gelungen ist. Weil uns wiedermal jemand enttäuscht hat. Weil wir wiedermal verletzt wurden. Weil uns Krankheit, Tod und Krieg heimgesucht hatten. Wir sprechen viel über das Kreuz. Wir singen vom Kreuz, aber wenn es mal da ist, sind wir überrascht und enttäuscht.

„Mein Freund, wozu bist du gekommen?“

Bin ich es würdig, hier unter diesem Kreuz zu stehen? Trete ich diese schmerzvolle Reise an? Oder drehe ich doch lieber um und gehe nach Hause?

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