Station XIV: Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

Um Eintritt ins ewige Leben zu erhalten, müssen wir zuerst hier alles auf Erden zurücklassen. Wir verabschieden also de facto unser ganzes Leben: unsere sorglose Kindheit, die besten, wilden jungen Jahre, die Kinder, die das Elternhaus verlassen, schließlich verlassen wir die Arbeit, uns verlässt die Gesundheit, wir verabschieden nach und nach unsere Liebsten am Friedhof, bis es auch für uns an der Zeit ist, zu gehen von dieser Welt.

Dies klingt doch furchtbar. Wir verlieren alles. Alles wird uns genommen. Wird es das tatsächlich?

Jeder Mensch kann aus zwei Lebenswegen wählen: des Bettlers oder des Säers. Ersterer sammelt gierig in seinen Taschen sein elendes Vermögen. Diese Taschen sind sehr schwer und erschweren ihm das Wandern auf seinem Weg, jedoch lässt er sie für keinen Moment aus, wenngleich sein „Reichtum“ lediglich reinster Müll ist. Der Mensch kann aber auch Säer sein. Er geht durchs Leben und sät rund um sich die Saat des Reiches Gottes, des Evangeliums, seine Talente, seine Arbeit, seine Liebe. Am Ende seines Lebensweges ist die Tasche leer. Das Feld ist jedoch reichlich bepflanzt. Das Grab Christi ist das erste Korn des großen Lebensgartens. Hier wird das Wort Ende durch Anfang ersetzt.

Heute beenden wir hier unseren Kreuzweg, aber am Sonntag in aller Früh treffen wir uns wieder hier bei diesem Grab. Jedoch wird dies dann ein komplett anderer Ort sein.

 

Schlusswort

 

Station 15: nach Hause kommen

Station 16: ein schwieriges Gespräch in der Familie

Station 17: ein Arztbesuch

Station 20: eine schwere Diagnose

Station 40: der Tod eines geliebten Menschen

Station 60: ein unsympathischer Chef

Station 80: finanzielle Schwierigkeiten

Station 100: …

Station 1000: …

Wer den Weg zum Meer nicht kennt, der folge dem Fluss. Wer den Weg zu Gott nicht kennt, der folge dem Kreuz. Das Kreuz führt uns zur Auferstehung. Das Kreuz führt uns zum Leben.

Station XIII: Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß Seiner Mutter gelegt

Man kann gläubig sein, weil man Gesundheit und Glück braucht. Man kann gläubig sein, damit andere das sehen und bewundern. Man kann im Glauben den Lebenssinn sowie Harmonie und innere Ruhe suchen. Man kann, wie der Jüngling im Evangelium, im Glauben und bei Jesus nach dem Rezept für das ewige Leben suchen und streben. Aber in all diesen Fällen ist der Mensch eher mit sich selber allein, als mit Jesus.

Bei Jesus sein bedeutet in erster Linie so bei Ihm zu verweilen, wie Maria bei der 13. Kreuzwegstation es getan hat. Sie umarmt den Leichnam Ihres geliebten Sohnes, obwohl Er nicht mehr lehrt, nicht heilt, keine Wunder vollbringt. Alles, was blieb, sind nur mehr unaussprechbarer Schmerz und die Schlagworte Ende, Hoffnungslosigkeit, Tod. In so einem Moment trösten keine Erinnerungen und keine Träume. Was sollen wir also tun? Jesus hinterließ uns für diese Station, wie auch für unser ganzes Leben folgende Worte:

„Fürchtet euch nicht. Glaubt nur. Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet“.

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Station XII: Jesus stirbt am Kreuz

Als Jesus am Kreuz Sein Leben ließ, dachten vielleicht einige Leute: „Irgendwie schade um diesen Mann. Er hat viel Nützliches getan und jetzt ist das alles aus. Er hätte doch noch so viele Menschen heilen, speisen und trösten können“.

Viele kannten Ihn, als Er unermüdlich und unaufhaltsam durch Palästina wanderte und lehrte. Und nun hängt Er leblos und steif am Kreuz. Blutüberströmt. Mit durchbohrten Händen und Füßen, mit durchbohrtem Herzen. Er ließ sich jedoch selbst durch den Tod nicht aufhalten. Er trug Sein Evangelium der Hoffnung, Seine frohe Botschaft weit über den Tod heraus. Als die Leute Seinen toten Leichnam am Kreuz ansahen, war Er bereits im Jenseits und brachte den Toten die Erlösung.

Auch wir müssen daran denken, wenn unsere Hände ineinander verkrampft sind im Gebet. Die Menschen werden sagen, dies sei verlorene Zeit, dies sei lächerlich, dies sei Lebensverschwendung. Ja. Wir müssen unser Leben „verschwenden“, damit wir das Leben hier auf Erden in Glauben, Liebe und Hoffnung meistern.

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Station XI: Jesus wird ans Kreuz genagelt

Gott wurde ans Kreuz genagelt. Dies ist ein schockierender Moment und gleichzeitig ein unglaubliches Zeichen Seiner Liebe zu uns. Gott ließ sich an unser Leben nageln. So, dass man Ihn nicht mehr davon losreißen kann.

Jesus wartet jeden Tag aufs Neue darauf, Menschen und ihre Seelen zu heilen. Um sich auf die Suche nach Seinen verlorenen Schafen zu begeben. Wir können Ihn bitten: „Jesu, umarme mich mit Deiner Liebe“. Aber für Ihn ist das zu wenig. Er möchte sich mit Seiner Liebe an uns nageln. In guten und in bösen Zeiten.

Für unsere Erlösung.

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Station IX: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Der dritte Fall… Wie groß musste wohl die Versuchung gewesen sein, hier aufzugeben und nicht mehr aufzustehen. „Sollen sie mich doch hier und jetzt töten. Soll geschehen, was geschehen soll, ich kann nicht mehr weiter„.

Zu dieser Station gelangen sehr viele Menschen. Wenn sie zum hundertsten oder tausendsten Mal fallen und vor Verzweiflung sich in solche Süchte stürzen, wie Alkohol, Glücksspiel oder Pornographie. Sie sind mit eben diesem Satz konfrontiert: „Ich kann nicht mehr weiter. Ich stehe nicht mehr auf„. Wozu beichten gehen, wenn doch diese Sünde immer wieder zurückkehrt? Ich habe mich doch so bemüht… Oder, wie Petrus zu Jesus sagte: „Meister, wir haben die Zeit gearbeitet und nichts gefangen„. Im Psalm 64 heißt es „ihr Herz ist, wie ein Abgrund„. Und in diesen Abgründen des menschlichen Inneren versteckt sich das, was für den Menschen am gefährlichsten ist – der Stolz. Und somit schaffen wir es zumeist nicht noch einmal aufzustehen, wenn wir auf unserem Kreuzweg abermals zu Fall kommen.

Wir stehen dabei vor zwei möglichen Wegen: des Stolzes und der Demut. Gesegnet seien jene, die entgegen der menschlichen Hoffnung und Erwartung – spes contra spem – in solchen Situationen sagen:

[…] aber auf Dein Wort will ich noch mal die Netze auswerfen.

Noch einmal. Denn wer bis zum Ende durchhält, wird erlöst werden. Bis zum Ende…

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Station VIII: Jesus begegnet den weinenden Frauen

Es gibt Leute, die weinen, wenn ihre Lieblingsmannschaft das Spiel verliert. Andere weinen, wenn sie ein wichtiges Examen nicht bestehen. Für andere ist es wiederum ein Drama, einige Kilos zuzunehmen oder einen Kratzer im Autolack zu finden.

Wir haben viele Probleme und andauernd kommen neue Probleme dazu. Oftmals können wir uns nicht einmal mehr daran erinnern, weshalb wir noch vor einem Jahr geweint haben. Jesus erinnert uns bei dieser Station an etwas Selbstverständliches, was jedoch sehr oft ins Vergessene verfällt: wir alle haben in Wahrheit nur ein einziges Problem: den Tod und das, was danach passiert – das ewige Leben oder die ewige Verdammnis. Wohin gehen wir nach dem Tod? Wo sind dann unsere Probleme? Wir machten uns Sorgen, weil wir den Schlüssel verloren hatten, der Ofen kaputt ging, in der Arbeit etwas schief lief oder weil wir Streit mit jemandem hatten.

Es bleibt von den meisten von uns nichts mehr übrig auf dieser Welt. Es wird dann nur mehr eine Frage zählen: liebte ich Gott und lebte ich mit Ihm jeden Tag aufs Neue?

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