Gott ruft uns, doch hören wir hin?

Wenn es eines aus meiner Volksschulzeit gibt, was ich mir aus dem Religionsunterricht gemerkt habe (der Unterricht war nicht besonders ansprechend), dann war es ein Satz der Lehrerin, den ich bis heute manchmal im Ohr habe.

Er lautete: „Wenn ihr euren Namen hört und niemand hat euch gerufen, dann ist das Gott der euch ruft.“

Der Gedanke hat mich bereits als Kind interessiert. Das ist ja schließlich DER Beweis, dass es Gott gibt. Zumindest als Kind klingt das nach einem klaren Beweis.
Als Erwachsener gibt man sich eher nicht so schnell zufrieden. 😉

Die Lesung heute hat mir diesen Satz wieder einmal in Erinnerung gerufen. Da ist also Samuel, der jemanden seinen Namen rufen hört. Er geht zu seinem Vater, doch der sagt er war es nicht, der ihn rief.
Immer wieder hört der junge Samuel seinen Namen rufen, bis der Vater die Erkenntnis gewinnt, dass es der Herr ist, der ihn ruft.
Und dann, als Samuel sich für Gott öffnet, spricht Gott mit ihm.

Nun, es wird für uns wohl nicht so sein, dass Gott mit uns spricht. Wir sollten uns hier vielleicht ein differenzierteres Bild machen. Es muss keine Stimme sein, die uns ruft.
Viel mehr sollten wir feinfühliger sein für den Ruf Gottes. Er ruft ständig nach uns, es ist aber unsere Entscheidung, ob wir hinhören und das Herz öffnen.

Sehr konkret wird das im Beispiel der Liebe. Wenn wir uneingeschränkt lieben und uns einem anderen Menschen ganz öffnen, wenn dieser Mensch uns dann genauso Liebe entgegen bringt, dann drängt es in uns jemandem für dieses große Geschenk zu danken.

Jetzt liegt es an uns, ob wir es dem Zufall verdanken und an einen reinen Zufall glauben wollen, oder ob wir uns für dieses Gefühl öffnen und am liebsten Gott danken wollen. Und wenn wir das dann wollen, dann sollten wir Gott auch danken.

Liebe ist ein sehr starkes Beispiel. Schließlich ist Gott die Liebe.
Wenn Gott sich uns mitteilt, dann immer in Werken der Liebe. Eine Geste, das Lächeln eines Menschen, ein Wort oder ein Anblick der uns im Innersten berührt.

Die Stimme Gottes ruft uns ständig. So oft ich es kann, möchte ich antworten und nicht weghören, weil es vielleicht gerade unbequem ist und ich Zeit für die weltlichen Dinge aufwenden will.
So oft ich es kann, will ich mit Liebe antworten und meine Zeit Gott widmen.


In jenen Tagen schlief der junge Samuel im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand.
Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: Hier bin ich.
Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen.
Der Herr rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!
Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden.
Da rief der Herr den Samuel wieder, zum drittenmal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte.
Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich wieder ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder.
Da kam der Herr, trat zu ihm heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört.
Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten unerfüllt.

Erstes Buch Samuel 3,3b-10.19