Bettler und unser Gewissen

Wir nehmen sie wahr, gehen vorbei und schon sind sie aus unseren Gedanken wieder verschwunden. Die Bettler…sie gehören zum Stadtbild schon fast dazu. Auf der selben Straße die Wohlstandsgesellschaft und gleichzeitig arme Menschen.

Erst unlängst wurde ich von einem Bettler angesprochen. Vor einer Kirche, in die ich gerade eintreten wollte. Ich verwies ihn vorerst darauf, dass ich erst in die Kirche wollte. Beim Rausgehen dann hat er schon gewartet. Er erhoffte sich ein wenig Geld. Er war durchaus höflich. Trotzdem frage ich mich immer, ob es sinnvoll ist einfach Geld zu geben.

Vor einem Gotteshaus tue ich mir schwer einfach weiterzugehen. Ich gab ihm also zwei Euro. Dankend nahm er an. Allerdings erzählte er mir dann noch eine traurige Geschichte. Er hätte Schulden und Mietrückstände. Er wüsste nicht weiter.

Und da kommt das Gewissen ins Spiel. Am liebsten hätte ich ihm durchaus mehr gegeben. Gleichzeitig muss ich an meine Familie denken. Reich bin ich ja auch nicht. Aber im Gegensatz zu diesem Bettler, habe ich dann doch so viel Unnötiges zu Hause. Dinge, die ich mir leiste und gar nicht bräuchte. Ich hadere da also mit mir selbst.

Zu guter Letzt, habe ich dem Mann dann noch weitere zwei Euro gegeben. Mehr hatte ich nicht bei mir. Und trotzdem nagt dann dieser Gedanke an mir, dass ich doch hätte mehr geben können. Ob dies in Form von Bargeld allerdings richtig ist, ist schwer zu sagen. Wer weiß schon, ob man an jemand ehrlichen geraten ist oder, ob hier etwas Organisiertes dahintersteckt.

Ich nehme mir vor, in Zukunft eher Lebensmittel anzubieten. Wenn jemand tatsächlich Hunger hat, wird er sich über etwas Essen im Magen freuen. Dann wäre ich ruhigeren Gewissens auch eher bereit, vielleicht noch ein bisschen Bargeld mitzugeben. Es wäre mir dann wohler, weil ich wüsste, dass ich tatsächlich jemand geholfen habe. Ansonsten bleibt immer auch der Gedanke zurück, ob das Gegebene denn auch demjenigen zugute kommt, dem man es gegeben hat.

 

Soweit meine Gedanken bis hierher. Und dann lese ich zufällig ein Zitat von Papst Franziskus.

Wer nichts gebe, nur weil sich ein Obdachloser „damit vielleicht eine Flasche Wein kauft, um sich zu betrinken“, müsse sich fragen, ob er „der Richter dieses armen Mannes“ sei.

Sofort habe ich mich selbst in dem Zitat wiedergefunden. Wie oft denke ich mir, dem kann man nichts geben, weil der betrinkt sich eh nur damit. Ich bin aber nunmal nicht der, der richten soll. Und wenn es seine einzige Freude ist, dann soll er sie haben. Bis hierher gebe ich Papst Franziskus absolut recht.

Trotzdem kann ich nicht außer Acht lassen, dass es für mein Verständnis einleuchtender ist, besser etwas zu essen zu kaufen. Helfen ja… aber auch dabei helfen, wenn jemand sich selbst mit seinem Verhalten schadet? Durchaus schwierig das mit einer einfachen Antwort abzutun.

Ich denke, jeder muss für sich entscheiden, wie er helfen möchte. Wichtig ist, dass man sich entscheidet, zu helfen und nicht einfach wegsieht. Armut kann jeden treffen. Und wären nicht auch wir froh, Hilfe zu bekommen?