Station I: Jesus wird zum Tode verurteilt

Station I: Jesus wird zum Tode verurteilt

Die Menschen meinen oft von sich, allwissende Ärzte zu sein. Sie kennen sich – auf deren Art und Weise – mit jeglichen Krankheiten sowie deren Heilung aus. Die Wahrheit präsentiert sich jedoch ganz anders: es sind um das Vielfache mehr Richter unter uns: jemand drängt im Straßenverkehr – ein Primitivling! Jemandem geschieht ein Missgeschick – ein Versager! Jemand hat andere Überzeugungen – ein Idiot! Dies sind keine langwierigen Prozesse. Diese Prozesse dauern gerade einmal einige Sekunden: ein Blick, eine Meinung, ein Urteil. Dabei hat Jesus stets unterstrichen: „Urteilt nicht!“ Denn nur Gott allein kennt den Menschen und sein Inneres so gut und perfekt. Jemanden zu verurteilen zeugt von überheblichem Stolz. Und dieser menschliche Stolz war so groß, dass der Mensch es gewagt hatte, über Gott zu urteilen. Pilatus wollte Jesus zwar freilassen, aber das Volk verlangte so laut und so vehement nach der Kreuzigung des Sohnes Gottes. Vielleicht meint ja jemand von uns zu sagen: „Ich bemühe mich im Prinzip Christ zu sein, aber die Gesellschaft rund um mich schreit laute Parolen über Abtreibung, Euthanasie, in vitro etc. Sie schreien darüber bei mir in der Familie, in der Arbeit, auf der Uni… Und ich schweige und wasche diskret meine Hände, wie Pilatus.

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